Ankunftsgeschichten

Mit dem Quartier Eisenbahnstraße verbinden sich tausende spannender Ankunftsgeschichten. In ihnen bleiben prägende Erinnerungen lebendig. Warum zogen die Leute hierher und welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel? Welche Orte haben eine besondere Bedeutung? Warum sind Sie weggezogen, hiergeblieben oder wieder zurückgekommen? Wie hat das Viertel ihr Leben verändert? Viele Geschichten, viele ganz persönliche Perspektiven auf die Eisenbahnstraße.

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Name: stefan lange

Ankunftsjahr: 1992

Herkunft: dessau

Wohnort: reclamstraße 51

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

1991 besuchte ich eine wg in einem haus am ende einer dunklen straße. später zog ich dann dort ein. paterre. die straße verlassen. die häuser drumrum eher ruinen. viel platz fürs eigene. alles wirkte eher so, als ob die leute geflohen waren, aus diesem teil der stadt. dann übernahm ich die wohnung. die leute im haus sehr speziell. musiker, studenten wie ich, künstler, lebenskünstler. wir genossen etwas, was uns damals noch nicht bewußt war: das in ruhe gelassen werden.
meinen ersten krippenplatz konnte ich mir noch aussuchen. später erntete ich scheele blicke, ob man in dieser gegend 3 kinder aufziehen könne. der osten. den hab ich schon seit den ersten tagen gemocht. wegen der leute. damals.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

keine. da ich nicht aus leipzig war. erst später ging mir die besonderheit dieses teils von leipzig auf. die ehrlichkeit. die gewisse grobheit. die besonderen menschen die geblieben waren oder hier ankamen. warum auch immer. später fanden sich leute. die etwas taten für die gegend um die eisenbahnstraße. die schule. den park. die menschen. die kleinen glücke der anderen.
vorstellungen habe ich jetzt. ich will in ruhe gelassen werden. will nicht teil eines hyp's sein. will, dass die menschen bleiben dürfen. so wie menschen natürlich kommen dürfen. und hier bleiben. aber ich will nicht verwertet werden. will nicht marktwertsteigernd sein. das ist mein leben. hier.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

seit vierundzwanzig jahren. immer im gleichen haus. in dem bin ich einmal umgezogen. von unten nach oben. jetzt ist drei söhne später. immer noch mit der gleichen geliebten. der mutter meiner kinder. es stellte sich eine zufriedenheit ein.

vor einem jahr wurde allen mietern in unserem haus gekündigt. seit dem bleiben wir. trotzdem. friede den hütten. krieg den palästen. es ist meine gegend. ich will nicht, dass sie verkauft wird.

Was hält Sie hier im Viertel?

die menschen

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

das leben wird nach vorne hin gelebt und nach hinten hin verstanden. (Kierkegaard)
ja.

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

die schule am rabet. mit ihr hab ich zwölf jahre lang zu tun gehabt. und für den hort dieser schule. und die eisdiele. und unser haus. mein haus. aber eigentlich nur wegen der menschen die dort waren und sind.

Name: Susanne

Ankunftsjahr: 1987

Wegzugsjahr: 1993

Herkunft: Harz

Wohnort: Einertstraße, Mariannenstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Ich bin als Studentin im Herbst 1987 mit 20 Jahren nach Leipzig gekommen. Der Wohnort schien mir ideal -zentrumsnah, zentral..bin oft Sonntagnacht vom Bahnhof nach Hause gelaufen. In der Mariannenstraße lebte ich in einem Haus, in dem nur sehr alte Leute und Studenten wohnten. Wir haben uns gegenseitig geholfen.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Ich kannte Leipzig noch nicht so gut, war da sehr offen. Wohnbedingungen mit Klo halbe Treppe waren normal, (in der Einertstraße sogar gegenüber der Wohnungstür!), Kohlen wurden um die Ecke bei Max Sobeck bestellt. Wir hatten unsere Stammkneipe (Julius Hoffmann), in der Skat gespielt wurde, ein Kino in der Nähe, Einkaufsmöglichkeiten vor Ort (besonders gut war das Reformhaus ), alles in allem okay. Trostlos sahen die Häuserfassaden aus damals und die Luft war schlecht, aber nicht nur hier...

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Von 1987 bis 1993, eine sehr bewegende Zeit mit Studium und Wende. Es gab im Viertel interessante Begegegnungen, man fand sich irgendwie. Das war eine besondere Zeit in meinem Leben.

Warum sind Sie aus dem Viertel weggezogen?

Weggezogen bin ich 1993, da hatte ich mein Diplom in der Tasche und war schwanger. Der Vater meines Kindes hatte eine große Wohnung im Zentrum der Stadt und ich bin zu ihm gezogen. Es gab noch Kachelöfen aber ein Bad mit Badewanne. Und das Rosental in der Nähe, das war natürlich attraktiv. Mit einem kleinen Kind spielte die grünere Umgebung schon eine Rolle.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Es käme drauf an...inzwischen arbeite ich direkt auf der Eisenbahnstraße und freue mich darüber, dass es wieder diese Verbindung gibt. Ein bisschen räumlicher Abstand zum Arbeitsort- egal, wo er sich befindet, kann aber nicht schaden.

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Früher: Kino, Reformhaus, Hoffmanns Bierstube,
Heute: das Haus, in dem ich arbeite, das Rabet, Brothers, die exotischen Lebensmittelläden

Ankunftsjahr: 2015

Herkunft: Potsdam, früher Jerichower Land

Wohnort: Ludwigstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Es gab noch nicht so viele Baustellen – und die, die es gab bzw. die ich kannte, waren Hausprojektbaustellen. Ich war selbst bei einer dabei. Das war auch der Grund meiner Ankunft im Viertel. Damals fühlte ich mich hier etwas unsicher, denn wir hatten eine seltsame Kneipe gegenüber, mit gruseligen Gestalten. Da fürchtete ich mich abends oft, wenn ich allein die Baustelle verließ. Später stellte sich dann heraus, dass es eine Cristal-Küche gewesen war.

Viele Häuser standen leer, die jetzt saniert und bewohnt sind. Leerstehende Häuser hatte schon immer etwas Vertrautes und Ermunterndes für mich. Sie versprühen ein Gefühl, dass die Dinge in meinen Händen liegen, dass ich etwas bewegen kann. Gleichzeitig haben sie aber auch etwas Trauriges und Respekteinflößendes … so viele verschollene Geschichten – Aber dadurch machte eben auch der Leerstand das Viertel lebendig – auf diese ganz besondere Art. Und dann gab es plötzlich immer mehr Bauschuttcontainer auf den Straßen.

Einmal fragte mich im Bülowviertel ein Mann mit Schwäbischen Dialekt, wo denn die ganzen leeren Fabriken seien. Ich fragte, warum er sie suche, was er denn damit wolle. Und darauf hin: „Das kann ich Ihnen sagen, junge Frau. Meine Frau bekommt eine Fabriketage für ihre Malerei und ich stelle meine Oldtimer-Sammlung dort hinein.“ Das war für mich eigentlich der Anfang vom Ende.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Ich hatte vorher nur Negatives gehört (Drogenumschlagplatz, Schießereien, Armut). Während der wenigen Male, in denen ich vor meines Umzugs dort gewesen war, hatte ich das Viertel als sehr trist wahrgenommen. Insgesamt wusste ich sehr wenig und versuchte mich nicht an den Vorurteilen aufzuhalten. Ich schaute einfach, was da auf mich zu kam.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Ich wohne nun seit mehr als zwei Jahren hier. In der Zeit habe ich gemerkt, dass mir die Stadt Leipzig eigentlich zu groß ist. Ich hatte vorher in Potsdam gelebt – wollte man mal Halligalli gings nach Berlin, ansonsten war es immer sehr gediegen, es gab viel Wasser und Natur. Das hat der Leipziger Osten nicht zu bieten. Es ist eher Metropolenartig. Irgendwie ist immer was los – Ausstellungen, feuchtfröhliche Abende und andere Extravaganzen. Aber so richtig zur Ruhe komme ich nicht. Das Viertel trägt dazu bei, einen aufregenden Lebensstil zu führen. Aber eigentlich weiß ich gar nicht, ob ich den überhaupt noch möchte.

Was hält Sie hier im Viertel?

Meine Freund*innen wohnen hier und es ist sehr günstig – finanziell, aber auch von der Lage her. Aktuell habe ich auch keinen anderen Ort innerhalb Leipzig, zu dem ich mich hingezogen fühle. Wenn Wegziehen, dann wahrscheinlich ganz aus Leipzig raus – wieder in eine kleinere Stadt, die an einer größeren dran ist.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Schon. Ich bin ja aufgrund meiner Projekte (Hausprojektgruppe, Kulturverein) hierher gezogen. Und das habe ich nie bereut.

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Der Sexshop am Anfang der Eisenbahnstraße. Da komme ich jeden Tag vorbei. Und ich finde den super spannend, denn er ist noch so oldschoolmäßig – überhaupt nicht gefällig, mit verdunkelten Scheiben, diesem Namen (Dollybuster-Shop oder so) und der zaghaften Leuchtreklame. Ich frage mich immer, wenn ich ihn sehe, wie lange es ihn noch geben wird.

Die Brücke nach Schönefeld. Da gibt es auf der linken Seite so einen Laden der Fliesen verkauft. Und dieser hat eine wirklich sonderliche Reklame, bei der ich entweder schmunzeln muss oder peinlich berührt bin. Es ist jedenfalls eine Frau in sexy Pose zu sehen, die neckisch in eine Fliese beißt. Einfach nur seltsam. Ich weiß auch nicht, ob ich den Laden überhaupt einmal offen gesehen habe. Aber für mich ist er eine Perle des Viertels. Keine Frage.

Das Goldhorn – für mich fühlt sich der Laden wie ein Wohnzimmer an.

Hermann-Liebmann-Straße/Brücke zu Mariannenpark. Wenn ich mal spazieren gehe, dann da lang. Da kann man so schön auf die Schienen gucken, und dann treffen so viele Gefühle gleichzeitig aufeinander: Fernweh und Heimweh, Neugier und Lethargie, Freue und Mutlosigkeit.

Ankunftsjahr: 2015

Herkunft: Vogtland (Sachsen)

Wohnort: Hermann-Liebmann Ecke Eisenbahnstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Ein buntes, ruhiges Viertel. Menschen, die unterschiedlichste mir unbekannte Sprachen auf den Straßen & in den Geschäften sprechen. Shisha-Pfeifen vor den Haustüren. Türkische Teekannen & Saris in den Schaufenstern. Freundlichkeit. Kleine Geschenke & lächelnde Gesichter. Bunte Farben. Herzlichkeit. Toleranz. Respekt. Neugier. Solidarität. Kulturelle Vielfalt. Abnehmende Armut. Triste, verwelkende Architektur.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Multikulturell. Günstiger Wohnraum. Die Eisenbahnstraße als anarchistisches Gebiet, indem die Polizei nicht viel ausrichten kann.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

2 ½ Jahre. Ich bin erschöpfter vom Stadtleben. Habe mit meinem kleinen Kind (2 Jahre alt) Razzien & Rocker Demos erlebt. Neue Freunde aus Afghanistan gefunden. Viel über die Türkei, Iran, Afghanistan und das Leben von Migrant*innen in Leipzig gelernt. Das erste Mal bunte Graffiti auf arabisch gesehen. Armut, die den Menschen ins Gesicht geschrieben ist. Ich habe Kinder dealen sehen und mich machtlos gefühlt. Ich habe ein schwangeres Pärchen auf einem Methtrip gesehen. Ich wurde viel angelächelt & angemault, erfolgreich & erfolglos angeschnorrt. Ich habe den Charme und die Tristesse unseres Viertels kennen & fühlen gelernt.

Was hält Sie hier im Viertel?

Ich werde voraussichtlich 2018 aus dem Viertel & der Stadt wegziehen. Weil das Viertel sich sehr verändert hat: Viele Zuzüge, viele hippe & reichere Leute. Die Mieten steigen, die Straßen sind voll mit Autos und Junkies. Bei uns wird öfter eingebrochen. Ich halte das nicht mehr aus.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Ja schon. Aber ich würde auch wieder wegziehen. Es war eine spannende Zeit, aber das Viertel ist mitten im Gentrifizierungsprozess und da will ich nicht dabei sein.

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Mariannenpark, Rabet, die Wagenburgen Trailer Moon & Rhizomia, Bülowviertel, Hildegardstraße / die Wilde Hilde, der Ostblock, das Pöge-Haus & der Neustädter Markt.

Ankunftsjahr: 2006

Herkunft: Leipzig

Wohnort: Bülowviertel

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

2005 sind wir in die Elisabethstraße gezogen, parallel fand die „Besiedlung“ der jetzigen LU99 statt, ansonsten umgaben uns viele wunderschöne, aber oft heruntergekommene und unbewohnte Häuser. Es war alles in allem sehr still. Im Haus hat man sich schnell kennengelernt. Für Hilfestellungen beim Briefe übersetzen und hin und wieder eine Nachhilfestunde für die Kinder gab es vielfältige türkische Speisen als Dankeschön. Das heruntergekommene, nicht-zurecht-gemachte und ehrliche war dass, was mir den Stadtteil so sympathisch gemacht hat. Die skurrilen, unerwarteten Begegnungen und auch die Gespräche waren es, die mich heimischer als irgendwo sonst in Leipzig fühlen ließen.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Ich bin Leipzigerin, kannte das Viertel. Meine Mutter ist hier aufgewachsen, meine Oma sogar in der Elsastraße geboren, sie lebt noch immer hier. Ich kannte die Umschreibungen dieses „heruntergekommene und gefährlichen“ Viertels, aber genau diese und vielleicht auch ein wenig Trotz veranlassten uns hierher zu ziehen. Besonders schön empfand ich den Zusammenhalt derjenigen, die sich schon seit Jahren im Quartier für die Bewohner_innen engagierten, seien es Bürgervereine oder Jugendkultureinrichtungen. Ich hatte das Gefühl, dass alle gemeinsam mit und für die Menschen im Stadtteil da sein wollten.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Seit 2005 wohnen wir nun im Viertel, 2008 sind wir ans Ende der Eisenbahnstraße gezogen, gemeinsam mit vielen Freund_innen wohnen wir seitdem dort zur Miete. Die Menschen im Haus zu kennen hat viele Vorteile, das erleben wir Tag für Tag. Mittlerweile kennen wir auch viele Menschen in der Nachbarschaft. Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen, in unterschiedlichsten Lebenssituationen, mit vielen Erfahrungen, Meinungen und Ansichten - vielfältig wie es nur irgendwie geht. Wir alle Leben auf (relativ) engem Raum zusammen und es ist ein schönes Gefühl, morgens das Haus zu verlassen und nicht in einer anonymen Masse unterzugehen, sondern hin und wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen, welches einen lächelnd grüßt. Ich finde es sehr schön hier und hoffe sehr, dass es meine Mitbewohner_innen ähnlich empfinden können.

Was hält Sie hier im Viertel?

Bis jetzt hatte ich keinen Anlass wegzuziehen, ich fühle mich insbesondere in unserem Viertel sehr wohl.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Ja, ich würde noch einmal hierher ziehen, wenn es wieder wie 2006/2008 wäre. Ob ich allerdings 2016/2017 hierher gezogen wäre kann ich nicht definitiv beantworten, gefühlt wäre es mir jetzt schon fast zu „hip“.

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Der Stünzer Park, die „Selli“ und natürlich das Bülowviertel, im Besonderen der naturnahe Spielplatz.

Ankunftsjahr: 2016

Herkunft: NRW

Wohnort: Neu Beautyfield

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Mit 16
Faschos auf Meth

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Faschos ohne Meth
Heterogene Gesellschaft

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Anderthalb Jahre until now
realness supportive
weniger Gruppen politisierend als erwartet

Was hält Sie hier im Viertel?

still here
günstig
weniger Kartoffeln als in anderen Vierteln

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

ja

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Brache an der Eisenbahnstraße, Kopfsalat, Con han hop und Japanisches Haus.

Ankunftsjahr: 2015

Herkunft: Berlin

Wohnort: Meißnerstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

2015. Wir haben uns wahnsinnig auf die Wohnung, den Garten und den Sommer in Leipzig gefreut. Und über das Leben im Viertel, jeden Anflug neuer Kneipen.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Im Prinzip ähnlich wie unser vorheriges Wohnviertel Berlin-Neukölln. Bunt, studentisch, arabisch, Hartz4, Hipster, der Wandel ist sichtbar, mal sehen wie man aufeinander trifft oder sich miteinander arrangiert. Dass hier viele Migranten leben war uns klar, wir sehen das als Mehrwert. Die (Beschaffungs-)Kriminalität betrifft uns (zum Glück) nicht und da wird auch viel aufgebauscht. Was die Medien so schreiben, sollte nicht immer für bare Münze genommen werden. Die Ablehnung des Viertels bei vielen (sonst eher toleranten) Leipzigern war dennoch für uns überraschend. Wir haben uns davon aber nicht abschrecken lassen - zum Glück.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Seit Juli 2015. Wir sind viel draußen im eigenen Garten, freuen uns über jede neue Initiative, jeden neuen Laden, es ist so schön dörflich. Ständig trifft man jemanden, grüßt usw. Es ist wesentlich ruhiger als in Berlin und das tut uns und den Kindern gut!

Was hält Sie hier im Viertel?

Wir sind 2015 hergezogen weil wir hier eine Wohnung gekauft haben, mit Garten und Terrasse, so schön zentral in diesem spannenden und tollen Viertel. Und wir haben nicht vor, wieder wegzuziehen.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Unbedingt!

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Die Heilig-Kreuz-Kirche, der Rabet, das Sesam, das Pöge-Haus, das Querbeet, der Mariannenpark, der Bioladen und der Stadtgarten in der Meißner Straße.

Ankunftsjahr: 2014

Herkunft: Deutschland

Wohnort: Östliches Ende der Eisenbahnstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Es war früh morgens nach einer langen Reise mit dem Nachtzug. Ich hatte das Fahrrad dabei und fuhr die gesamte Eisenbahnstraße entlang. Ich beobachtete wie der Tag beginnt und die Geschäfte öffneten und war erschrocken über die vielen Billig- und Ramschläden mit buntleuchtenden Werbeanzeigen im Fenster.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Ich wurde „vorgewarnt“. Schade eigentlich.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Seit drei Jahren. Ich nehme diese Billig- und Ramschläden nicht mehr als etwas negatives wahr und ich entdeckte kleine, alteingesessene Fachgeschäfte.

Was hält Sie hier im Viertel?

Ich bleibe hier, weil meine Freunde hier sind.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Möglich.

Ankunftsjahr: 2015

Herkunft: Schwaben

Wohnort: Eisenbahnstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Ich bin im Oktober 2017 hierher gezogen, ich war aber vorher schon oft im Viertel, weil ich damals schon im NuR aktiv war. Außerdem haben auch schon Freunde hier im Viertel gewohnt.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Ich habe mir vorgestellt, dass ich näher am Geschehen bin, wenn ich hier wohne. Es haben einfach viele meiner Freunde schon hier gewohnt. Zuvor habe ich ein Jahr lang im Westen von Leipzig gewohnt. Dort habe ich aber nie das Gefühl gehabt wirklich integriert zu sein. Das war hier anders.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Wirklich wohne ich erst seit vier Monaten hier. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich nicht mehr so viel herum komme in Leipzig. Ich bleibe eher im Osten. In letzter Zeit habe ich auch eher das Bedürfnis bekommen, wieder in ein ruhigeres Gebiet in Leipzig zu ziehen.

Was hält Sie hier im Viertel?

Ich bin hergezogen weil ich am Geschehen sein wollte, aber mittlerweile wünsche ich mir oft einen ruhigeren Wohnort. Ich bleibe aber hier, weil ich einfach gern mit meinen Mitbewohner*innen zusammen lebe und auch wegen meinen anderen Freund*innen, die im Viertel leben.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Ja.

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Zu erst einmal das NuR, weil das für mich wie ein Zuhause ist und die Eisenbahnstraße selber weil sie einfach spannend ist. Was alles so auf der Straße passiert den ganzen Tag. Irgendwie hat die Eisenbahnstraße manchmal auch was dörflich, heimisches für mich.

Ankunftsjahr: September 2016

Herkunft: Harz

Wohnort: Neustadt-Neuschönefeld

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Ich weiß noch, als ich mit dem vollgepackten Auto hier angekommen bin und geschaut habe, was auf der Straße so los ist. Neben mir hielt ein Auto mit zwei jungen Leuten. Die habe ich gefragt, ob sie mir helfen würden meine Sachen hoch in die Wohnung zu tragen. Und beide gleich: „Klar, machen wir!“ Das war so ein positives Erlebnis. Ich weiß nicht, ob das in jedem anderen Viertel in Leipzig so möglich wäre.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Der Leipziger Osten: wild, viele Ausländer, Drogenhandel. Also die gängigen Klischees. Aber als ich mit dem Rad durch das Viertel fuhr, ist mir aufgefallen wie schön die Straßen sind. Auch viele Ausbauhäuser, viele Hausprojekte, viele alte Busse, junge und unkonventionelle Leute. Ich hatte die Vorstellung, dass das hier so ein richtig buntes Viertel ist, wo sich alles trifft. Das fand ich gut, darauf wollte ich mich einlassen. Ich war in einer Phase des persönlichen Umbruchs und das Viertel hat auch mit Umbrüchen zu arbeiten. Ich dachte, hier passe ich gut rein, bin eine von vielen und ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier in so eine geschlossene Gesellschaft rein komme. Hier muss ich mich nicht irgendwelchen Konventionen anpassen, mich irgendwie verbiegen, damit ich dazu gehören darf. Hier kann ich einfach herkommen und so sein wie ich bin.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Ich nehme jetzt viel mehr am Leben in Leipzig teil. Vorher habe ich vor den Toren von Leipzig gewohnt. Jetzt bin ich in fünf Minuten in der Stadt. Ich gehe gerne in den Mariannenpark oder in die Schwimmhalle. Ich bewege mich jetzt viel mehr im öffentlichen Raum und bin nicht mehr so isoliert. Ich bin auch hier mehr kulturell unterwegs, weil die Wege so kurz sind.

Was hält Sie hier im Viertel?

Im Moment sehe ich keinen Handlungsbedarf wegzuziehen. Ich habe eine schöne Wohnung die bezahlbar ist, ich bin nah an allem dran und ich habe alles was ich brauche.

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Im Sommer der Mariannenpark. Als ich hierhergezogen bin, konnte ich aufgrund eines Bandscheibenvorfalls nicht viel machen, außer spazieren gehen. Da war ich von Anfang an viel mit Leuten die hier wohnen im Park spazieren. Das war ein schöner Einstieg. Einfach rauskommen und spazieren gehen. Und ich war erstaunt, dass es hier so eine Menge Nachbarschaftsinitiativen und Kulturprojekte gibt. Das hätte ich am Anfang nicht vermutet. Ich finde auch toll, dass es hier einen Stellplatz für TeilAuto gibt. Und ich gehe gerne in die ausländischen Läden, um Lebensmittel zu kaufen. In den kleinen Läden hat man ein ganz anderes Angebot, als im Supermarkt. Für mich ist das erst mal eine Bleibeviertel. Hier kann ich sein, wie ich bin, muss mich keinen Konventionen beugen. Hier ist alles noch lebendig und in Bewegung.

Ankunftsjahr: 2000

Herkunft: Rheinland

Wohnort: Ludwigstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Im Winter 2000: es war grau, kalt, nass und wirkte doch alles recht trostlos.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Ich hatte keine direkte Vorstellungen, allerdings sagte der erste Handwerker in der neuen Wohnung den denkwürdigen Satz: „Sie wissen ja, hier wurden die Mieter früher mit dem Revolver eingetrieben“. Oha, habe ich da nur gedacht, wann war wohl dieses ominöse „früher“ und wie viel ist davon übriggeblieben.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

17 Jahre. Das Leben hat sich nicht wirklich verändert, aber in der Zeit konnte man den eigenen Charme und auch eine gewisse Liebenswürdigkeit des Viertels und seiner Bewohner entdecken.

Was hält Sie hier im Viertel?

Man könnte auch sagen: einfach hier hängengeblieben – was nicht gegen das Viertel sprechen muss! Es ist ein verkehrs- und versorgungsgünstiger Standort mit einem (noch) gut finanzierbaren Mietpreisniveau.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Ja gerne!

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Der Neustädter Markt, weil es ein recht authentisches Ensemble historisch gewachsener Baukultur darstellt.

Ankunftsjahr: 1974

Wegzugsjahr: 1979

Herkunft: vorher Lindenau

Wohnort: Ludwigstraße 110

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Ich war in der 1. Klasse, meine Eltern hatten eine größere Wohnung gebraucht. Die Ostvorstadt galt in den 1970ern nicht als 'gute Adresse', es war lauter und rußiger als in der alten Gegend. Viele Familien waren kinderreich (ich mit 2 Geschwistern lag wohl unter dem Durchschnitt). Es ging manchmal rabiat zu (Kinder aus der Mariannenstraße griffen die aus der Ludwigstraße an und andersrum). Es war interessant und abenteuerlich - viele Läden, wo man das Taschengeld für Bonbons ausgeben konnte, zwei Kinos, Abrisshäuser. Es ist viel aus dieser Zeit im Gedächtnis hängengeblieben: etwa die hohe Pappel im Viereck zwischen den Häusern mit ihrem Laubwechsel, weil es nicht so sehr viele Bäume gab. Oder dass ein größeres Mädchen aus unserem Haus alle Kinder versammelte und mit ihnen in den Zoo ging, ganz ohne Erwachsene. Dass es im Herbst und Winter oft sehr neblig war und deshalb am Rand der Kreuzung Torgauer-/Thälmannstraße Feuer angezündet wurden, damit die Autofahrer den Straßenrand sahen. Dass nach und nach Leute nach Grünau wegzogen.
Als ich größer war fing ich an, mir Fragen zu stellen. Warum unser (Arbeiter-)Viertel nicht besonders angesehen war im Arbeiter-und Bauernstaat. Dass in einem Geschichtsbuch ein rußiges Mietshaus gezeigt wurde mit der Unterschrift 'so mussten Arbeiter früher wohnen' und manche Häuser in meiner Nähe eigentlich genauso aussahen.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Für ein Kind ist alles 'normal' und selbstverständlich. Mir ist aber aufgefallen, dass es sich vom wohlsituierten Lindenau (bei Diakonissenhaus und Weinberggärten) in vielem unterschied.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Vom sechsten bis zum elften Lebensjahr. Ich glaube, mich hat diese Zeit sehr geprägt. „Gutbürgerliches“ finde ich nicht so anziehend, mich interessieren die Underdogs, die „Loser“. Noch mal sehr prägend waren die Eindrücke von meinen Besuchen des Viertels aus den End-80ern, der Flächenabriss, der Leerstand, die Freiräume, die sich subversive / subkulturelle Leute erschlossen.

Warum sind Sie aus dem Viertel weggezogen?

Seit ich, ab 1987, wieder in Leipzig wohne, sehe ich mich regelmäßig im Viertel um.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Ja. Ich habe mich 2003 auf Wohnungssuche auch umgeschaut, aber die Wohnungen waren zu groß für einen Singlehaushalt oder sonst nicht passend.

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Die noch unsanierten Häuser, die Ludwigstraße 99, wegen des (leider verschwundenen) Wandbildes und den noch verbliebenen Türdekorationen, die Lukaskirche (da war ich 1987 bei einem Stephan-Krawczyk-Konzert), das Pöge-Haus (das kenne ich unsaniert und saniert), das Kino der Jugend und der (ehem.) Wintergarten, das gemütliche Lokal „Zur Tenne“ und die Brücke Bennigsenstraße nach Schönefeld.

Ankunftsjahr: 2015

Herkunft: Kassel

Wohnort: Elisabethstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Januar
kalt
Menschenleer
Dönerläden
dunkel
viele Männer

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

günstig
Künstlerisch
Multikulti
Berlin

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

drei Jahre
gestaltet
gekämpft
verknüpft
gelernt

Welche Orte im Viertel haben eine besondere Bedeutung fuer Sie?

Kune

Ankunftsjahr: 2009 / 2010

Herkunft: Lübeck, Nordhorn, Leipzig Reudnitz/Zentrum/Grünau, Gräfendorf

Wohnort: Ludwigstraße 99

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

2009 / 2010. Zusammenzug mit meinem damaligen Partner - Rückkehr nach Leipzig nach zwei Jahren woanders wohnen - leere Straßen und Häuser – Freiraum - Federball auf der Straße - Menschen, die Angst hatten mich zu besuchen – viele, viele arme Anwohner und viele viele Junkies, viele Kinder, viele leere Läden und Shisha Bars - leckere internationale Lebensmittel.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Keine.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Seit knapp acht Jahren. Es hat sich sehr viel verändert: von massenhaften Sanierungen über massenhaften Zuzug bis zu Veränderung der Bevölkerung (mehr Studierende und junge Menschen, weniger ärmere und offensichtlich abhängige Menschen). Parkplätze sind schwer zu finden, es ist wesentlich lauter und partylastiger, es gibt mehr Angebote für Teilhabe und zum Ausgehen und zum Mitmachen.

Was hält Sie hier im Viertel?

Nein. Ich mag die Entwicklung überhaupt nicht. Ich wollte immer in Vierteln wohnen, wo „nix los ist“ und ich meine Ruhe habe. Das hat sich um 180 Grad gewendet. Ich weiß zwar, dass die Eisenbahnstraße sich permanent gewandelt hat (in den 80er war sie schon eine Ausgehmeile), aber ich mochte damals die Dunkelheit der Häuser und die Einsamkeit der (Neben-)Straßen. Es war, als wäre man gar nicht in Leipzig direkt neben dem Hauptbahnhof.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Die Rasenfläche am Torgauer Platz, da ich dort sehr viel mit meinem Hund war, genauso wie die Brachfläche, auf der nun vielleicht der Stadtwald entsteht. Grüne Weiten inmitten der Stein- und Betonwelt. Das Brothers hat eine große Bedeutung, nicht nur, weil das Essen fantastisch ist, es ist auch fast der einzige Laden, der alle Menschen der Eisenbahnstraße zusammenbringt. Das hat kein „Hipsterschuppen“ trotz vehementen Anspruch bis dato hinbekommen.

Ankunftsjahr: 2010

Wegzugsjahr: 2015

Herkunft: Leipzig

Wohnort: Konradstraße, Wurzner Straße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

2010 habe ich mit meinem Studium angefangen und bin – weil ich mir eine eigene Wohnung in den Kopf gesetzt hatte, aber mir mit 19 Jahren und lausigem Nebenjob die entsprechende Miete nicht leisten konnte – eher gezwungener Maßen in den Osten geraten. Außer Döner, An- und Verkaufsläden und leerstehenden Häusern gab es nicht viel. Mich selbst störte das null, aber der Umzug dorthin stieß bei vielen auf Unverständnis und auch Besorgnis über die dort herrschende Drogen-Kriminalität. Die vielen positiven Eindrücke des frischen Studiums, der erste feste Freund, die Wohnung und deren Renovierung nahmen so viel mehr Raum ein, als eventuelle Zweifel an der Ortswahl es hätten tun können. Mit der Eisenbahnstraße konnte ich die eigene Stadt ein Stück weit neu entdecken und das gab mir ein Gefühl von Freiheit.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Während meiner späteren Schulzeit lebte ich in Connewitz. Von der Eisenbahnstraße sprachen wir Jugendliche als die Straße, in die man sich – wenn überhaupt – nur im verschlossenen Auto wagen sollte. Natürlich ohne anzuhalten. Ähnliches hieß es übrigens auch über weite Stücke der Karl-Heine-Straße im Westen, nur aus anderen Gründen. Ich habe mir die Eisenbahnstraße als Verlassen und Kohle verstaubt ausgemalt. Eine Gegend in ewiger Dämmerstimmung, voller Drogen-Dealer und Junkies.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Insgesamt etwas mehr als fünf Jahre. Die Zeit um die Eisenbahnstraße hat mich sehr geprägt, denn wir haben das Viertel geprägt. Über lange Zeit die Entwicklung eines Viertels miterleben und gestalten zu können, ist eine Erfahrung die ich nicht missen möchte. Gerade auch als Leipzigerin. Der Umzug an die Eisenbahnstraße hat außerdem mein Bild der Stadt verändert, denn vorher kam mir alles eher dörflich (weil zu vertraut) und aufgeräumt vor. Und: ich kann jetzt Wohnungen renovieren und Berliner Öfen anheizen. So was hätte ich in Connewitz wohl eher nicht gelernt.

Warum sind Sie aus dem Viertel weggezogen?

Die Mieten sind gestiegen und ich wohne lieber abseits vom Trubel. Osten wird es aber vorerst bleiben.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

Ja

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal hierher ziehen?

NuR, Pracht, Eisenbahnstraße 188 und Con Han Hop.

Ankunftsjahr: 2017

Herkunft: Iran

Wohnort: Konradstraße

Wann sind Sie im Viertel um die Eisenbahnstraße angekommen und welche Erinnerungen verbinden sie mit dieser Ankunft?

Seit ungefähr acht Monaten bin ich hier. Ich habe keine Erinnerungen an die Ankunft. Ich konnte nirgendwo anders eine Wohnung finden.

Welche Vorstellungen hatten Sie von diesem Viertel?

Ich kannte die Eisenbahnstraße nicht so gut, aber ich hörte viel darüber, dass es hier sehr scheiße sein soll.

Wie lange leben/lebten Sie in dem Viertel und wie hat diese Zeit ihr Leben verändert?

Also wenn ich ehrlich bin, hab ich viel gelernt und gesehen. Es gibt viele Arschlöcher, aber über die möchte ich nicht sagen was ich gelernt habe. Mein Leben hat sich nicht sehr verändert, aber ich habe als ausländischer Mensch in der Eisenbahnstraße viel positives und negatives gesehen und gelernt.